Montag, 16. Februar 2015

Der Fotograf macht das Bild und nicht die Kamera

Gerade lese ich einen Blog Post von Paddy: "It is not the fucking camera .. Bullshit!"

In dem Post geht es darum, ob der Fotograf das Bild macht oder die Kamera. Paddy identifiziert dabei grob gesagt zwei Gruppen: Künstler und Technikverliebte.  Ich kann dabei seine Meinung nicht ganz teilen (lest den Post!).

Ich stehe mehr hinter dem Satz, "Der Fotograf macht die Bilder und nicht die Kamera". ABER
ein Bild, beziehungsweise eine Situation in der das Bild gemacht wird, benötigt ein Mindestmaß an Technik. Ohne diese geht es einfach nicht. Und ohne die Idee des Fotografen auch nicht.

Nehmt einfach mal an, ihr wollt in einer Reithalle im Winter einen Springreiter fotografieren. Im Winter ist es meist trüb und die Fenster der Halle sind natürlich nicht klar und schlucken auch noch Licht. Um den Springreiter vernünftig in der Bewegung einzufrieren braucht man ca. 1/500sec. Der Autofokus sollte mit dem wenigen Licht auch noch auskommen und die Auslöseverzögerung muss gering sein.  Das geht nicht mit einer beliebigen Kamera.

Das krasse Gegenbeispiel ist ein Landschaftsbild bei gutem Licht. An die Kamera wird kaum eine Anforderung gestellt, das Objektiv sollte hingegen was taugen und eine ordentliche Schärfe bieten.

Das letzte Beispiel ist ein kreatives Verwischen. Das Objektiv muss nicht wirklich gut sein, denn das Bild wird durch das Verwischen eh unscharf. Aber die Kamera muss niedrige ISO Werte liefern und Blende und Zeit müssen einstellbar sein.

Wie ihr seht fordern die 3 Situationen unterschiedliche Ausrüstung. Dabei ist es erst mal egal wie gut der Fotograf ist. Sind die Anforderungen aber erfüllt, dann macht der Fotograf und nur noch der Fotograf das Bild.

Mich regt es immer wieder auf, wenn in Büchern oder Tutorials zu Anfang die Ausrüstung aufgelistet wird. Meist sind es nicht die günstigsten Kameras und Objektive. Hier wird dann oft suggeriert, kauf dir das Zeug und schon kannst Du auch solche Bilder machen.  Dabei wird dann übersehen, dass der Fotograf für diese Bilder schon vor Sonnenaufgang zwei Stunden gebraucht hat um an die Stelle zu kommen, die er Tage zuvor ausgekundschaftet hat. Dann hat er gewartet  bis die Sonne sich zeigt oder ein Tier vorbeikommt. Wenn er Pech hat muss das Ganze mehrfach wiederholt werden, denn eine Wolke kommt im falschen Moment vorbei, ein Tier erscheint einfach nicht, oder ein simpler Fehler versaut die Bilder.

Natürlich juckt es einen, wenn man ein geniales Bild sieht und feststellt, mmh, mit meiner Kamera wird das nichts. Schon mal passiert? Ging mir vor kurzem so. Ich habe Bilder von Denise Ippolito gesehen. Tolle Aufnahmen von Vögeln in der freien Wildbahn. Sie hat dabei ein 600mm Objektiv und ab und an einen zweifach Konverter (also 1200mm Brennweite) benutzt. Tolle Bilder. Geht mit meinen Objektiven nun gar nicht. Bis vor kurzem hätte die Kamera auch nicht mitgemacht. Ich muss mich allerdings fragen, wie oft würde ich Vögel in freier Wildbahn fotografieren? Habe ich überhaupt die Zeit und die Geduld stundenlang in der Kälte rumzustehen und auf den richtigen Augenblick zu warten? Bin ich bereit zu den richtigen Plätzen zu reisen?

Bleiben noch die von Paddy ins Spiel gebrachten Künstler, die mit einfachsten Mitteln tolle Bilder machen. Bei denen sind durch die Art der Aufnahme die Anforderungen an die Technik geringer. Manchmal wird auch durch die Limitierung der Technik die Kreativität gefördert. Beim ersten Beispiel mit den Springreiter könnte man zum Beispiel mitziehen und somit mit längeren Belichtungszeiten auskommen. Richtig gemacht kommt dabei sogar eher ein Bild heraus, welches im Gedächtnis bleibt, als umgekehrt. Aber auch hier gilt es, die Technik muss das Vorhaben unterstützen.

Es ist also nicht nur Kamera die das Bild macht und nicht nur der Fotograf, sondern beides muss zusammen kommen und passen. Ist die Technik aber ausreichend, dann gilt für mich:

Der Fotograf macht das Bild und nicht die Kamera !!


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