Dienstag, 7. Oktober 2014

Fotobuch von posterXXL - ein Erfahrungsbericht

posterXXL hatte vor kurzem zum 10 jährigen Bestehen Fotobücher mit egal wieviel Seiten (das bedeutet bis zu 96 Seiten) für 20 €  angeboten. Da ich sowieso ein Fotobuch machen wollte, war dies die Gelegenheit.

Ich hatte das ganze erst sehr spät gesehen und somit effektiv nur einen Abend Zeit. Also an den Rechner gesetzt und losgelegt.

Die Software

Das erste Negativum: die Software gibt es nur für Windows.  posterXXL legt anscheinend keinen Wert auf Kunden aus dem wachsenden Kreis der Mac User. Es gibt noch die Möglichkeit das Fotobuch online mit dem Browser zu gestalten, aber das ist sehr eingeschränkt. Nicht zu empfehlen.

Da Gier nicht nur blind, sondern auch erfinderisch macht, habe ich also meine Bilder auf einen der alten Windows Rechner übertragen. Die Software war schnell installiert und los gings.


Erste Schritte

Erst mal das Buch ausgesucht, dann das Verzeichnis mit den Bildern ausgewählt. Hier zeigt es sich, dass die Bilderübersicht recht klein ist. Wohl dem, der seine Bilder in Unterverzeichnissen vorsortiert hat. Durch den Transfer zu Windows war das nicht der Fall, also noch mal raus aus dem Programm und schnell ein  paar übersichtliche Unterverzeichnisse erzeugt. Damit ging es wesentlich besser.

Nachdem die Vorderseite gestaltet war, ging es an die ersten Inhalte. Die Überschrift sollte in weiß über dem Bild stehen. Den Text dazu gibt man in einer Textbox ein. Dort kann man auch die Farbe der Schrift auswählen. Das geniale, die Schrift wird in der Textbox in der ausgewählten Farbe dargestellt. Da der Hintergrund der Textbox weiß ist sieht man nach der Farbauswahl nichts mehr. Sehr durchdacht...

Die Bedienung

Automatisches Positionieren

Es gibt zwei Möglichkeiten Bilder auf einer Seite zu positionieren: manuell oder automatisch. Das wird durch einen Button entschieden. Man kann auch die Bilder zuerst mit manuelle Positionierung auf die Seite ziehen und dann auf automatisch umschalten. Zieht man ein weiteres Bild auf die Seite wird das Layout sofort angepasst. Gefällt einem das erzeugte Layout nicht kann man, solange die Maustaste vom Ziehen her noch gedrückt ist, mit der Leertaste oder den Pfeiltasten Layoutvariationen durchprobieren. Was unangenehm ist: das Layout stimmt oft, aber die Reihenfolge der Bilder passt nicht. In dem Fall muss man die Maus mit dem Bild verschieben und hoffen, dass die Automatik die Reihenfolge ändert. Ein einfaches Tauschen der Bilder habe ich leider nicht gefunden. Sind Hochformat und Querformat Bilder auf einer Seite wird oft das Hochformatbild in ein Querformat und umgekehrt gepresst. Dann bleibt oft nur eins: die Bilder auf der Seite löschen und nochmal probieren. Oft bleibt aber nur das manuelle Positionieren übrig.

Manuelles Positionieren

Das ist die bessere Variante. Beim Ausrichten der Bilder werden automatisch Hilfslinien eingeblendet, um Bilder die Kanten auf eine Linie zu bringen. In den Menüs kann man auch ein Bild horizontal oder vertikal zentrieren oder die Bilder gleichmäßig verteilen. Was nicht ging: zwei Hochformate übereinander und darunter ein Querformat. Diese auf der Seite vertikal zu verteilen scheiterte. Ich kann aber nicht auschließen, dass ich was übersehen habe. Das heißt nicht, dass eine solche Anordnung nicht hinzukriegen ist, aber man muss die Verteilung halt selbst vornehmen.


Probleme mit der Software

Abstürze

Das Schlechte zuerst. Auf meinem System mit Windows 8.1 lief die Software nicht stabil. Das zeigte sich schon recht schnell. Kaum hatte ich die Titelseite und die ersten 6 Seiten angelegt, nahm das Programm keine Eingaben mehr an. Das legte sich auch nicht mehr. Mir blieb nichts anderes übrig, als das Programm über die Taskliste zu beenden. Somit war die ganze Arbeit weg.

Da die Gier nach dem günstigen Angebot meine natürliche Abneigung gegen Softwareschrott diesmal überwog, machte ich weiter. Diesmal speicherte ich aber nach jeder zweiten Doppelseite.

Mittendrin lief die Software dann eigentlich stabil. Doch zum Ende hin, beim Einfügen von Seiten mitten im Buch wurde es ganz übel. Da ging nichts mehr. Die gespeicherte Version geöffnet, eine Doppelseite eingefügt und weg wars. Ich bekam nichts mehr editiert. Zum Schluss hatte ich ein Buch mit 4 leeren Seiten am Ende. Für 20€ habe ich drüber hinweggesehen. Bei normaler Preisgestaltung, ein absolutes Ausschlusskriterium.

Das Hinzufügen von Seiten

posterXXL hat eigenartige Vorgaben für das Hinzufügen von Seiten. Bis 48 Seiten kann man in 4er Schritten Seiten hinzufügen. Ab 48 Seiten nur noch in 12er Schritten. Und das ist sehr unangenehm. Hat man zum Beispiel ein Buch mit 61 Seiten, dann wird ein Buch mit 72 Seiten produziert. D.h. 11 Seiten am Ende sind leer. Ein bis zwei Seiten lassen sich immer rausschinden, aber 11? Das geht kaum. Hinzu kamen dann die Abstürze, welche beim Einfügen von Seiten mitten im Buch ein Anpassung unmöglich machten.

Lieferzeit

Als Lieferzeit wurden ca. 14 Tage angegeben. Das hat posterXXL weit unterschritten. Nach 7 Tagen war das Buch da. In dieser Zeit habe ich ein paar Emails erhalten, welche mich über die Fortschritte informierten. Wirklich vorbildlich. Lustig war die letzte Email. Das Buch ist versendet und man möge beim Empfang des Packets doch bitte prüfen ob es beschädigt ist. In diesem Fall soll man sofort beim Spediteur reklamieren. Nun, das wäre echt schwierig geworden. Ich glaube außer  "Unterschreiben hier" konnte der arme Mann kein Deutsch. Das ist aber kein Problem von posterXXL, sondern mehr der Profitmaximierung hier in Deutschland anzulasten.

Das Buch - der erste Eindruck

Der erste Eindruck ist, na ja. Der Einband ist hervorragend. Die Druckqualität, sagen wir mal akzeptabel. In dem Blau des Himmels ist ein Rauschen, welches anscheinend durch den Druck entsteht. Die Schärfe ist ok, die Farben korrekt aber nicht ansprechend. Es fehlt ein wenig Power. Das dürfte aber vielleicht dem Druckverfahren geschuldet sein. Ein Vergleich mit einem Fotobuch von fotobuch.de, welches ich vor Jahren machen lies, verliert das Buch glatt. Beim zweiten durchsehen fällt uns dann ein Bild mit einem weißen Flecken auf. Der war nicht in dem übertragenen Bild und ist somit ein Produktionsfehler. Ich habe somit eine sehr unwillkommene Möglichkeit den Support kennenzulernen.

Reklamation

Hier wird es richtig schlecht. Ich suche mir auf der Webseite das richtige Formular. Morgens um 9:30 Uhr fülle ich es aus Supportformular mit zwei Bildern, die das Buch in Realität und in der Software zeigen, aus. Das Formular wird abgeschickt und ich harre der Dinge.
Mittags habe ich noch nicht mal eine Eingangsbestätigung der Reklamation. Sowas sollte eigentlich automatisch verschickt werden. Also versuche ich den Support über den Supportchat zu erreichen. Das ist vergebens. 5 Versuche und ich bekomme keinen Chat auf. Ich hinterlasse in dem Fenster eine Nachricht und auch für diese gibt es keine Empfangsbestätigung.

Am nächsten Tag beschließe ich das Geld für den Anruf zu investieren. Zuerst kommt die Information, dass es für Geschäftskunden eine andere (bessere?) Hotline gibt und dann meldet sich jemand: "Hallo". Kein Name, keine Begrüßung, nichts. Ich erzähle von meinem Problem und höre, dass mit dem Supportformular ist der völlig ungeeignete Weg. Ich soll eine Email an eine Reklamations Mail Adresse schicken.

Tatsächlich kommt kurze Zeit später eine Antwort. Da ich den posterXXL Designer (also die Software) genutzt habe ist der Support nicht in der Lage den Fehler nachzuvollziehen. Ich soll daher eine Gutschrift von 20€ erhalten. Ich kann es nicht glauben. Was soll ich mit einer Gutschrift? Erstens will ich ein fehlerfreies Buch und zum Zweiten, Gutschriften gibt es bei Kulanz. Hier liegt aber ein klarer Produktionsfehler vor. Wenn schon Geld zurück gezahlt werden soll, dann bitte alles inklusive Versandkosten und nicht als Gutschrift. Also widerspreche ich dem unsäglichen Angebot und harre der Dinge.

Die Antwort kommt jetzt prompt. Man nimmt Bezug auf die erfolgte Erklärung des Ablauf und der Herstellung (???) und kann leider "keine andere Darstellung übermitteln". Was soll das denn?

Ich schreibe also noch eine Email und bestehe auf die Erfüllung des geschlossenen Vertrags, also das Erstellen eines fehlerfreien Buchs. Eine Gutschrift lehne ich völlig ab, da ich nicht die Absicht habe in diesem Leben nochmals was bei posterXXL zu bestellen.

Die nächste Email von posterXXL ignoriert die Möglichkeit ein fehlerfreies Buch zu erstellen. Ich soll mein Geld zurückerhalten. Das mag sich ja gut anhören, aber ich kann das Buch nicht mehr zu den alten Konditionen neu bestellen. Das heißt, es wird ungefähr 3 mal soviel kosten. Ich nehme das Geld und werde das Buch bei einem anderen Anbieter produzieren lassen. Das heißt dann auch, dass ca. 4 Stunden Arbeit verschwendet wurden. Besten Dank an posterXXL.

Fazit

Ich habe vor kurzem Rezensionen bei Calvin Hollywood gelesen. Er sagt, er schreibt nicht über negative Erfahrungen. Das wollte ich eigentlich auch, aber manche Erfahrungen gehören geteilt. Auch wenn sie negativ sind. Doch jetzt mein Fazit:

Die Software ist mit ihren Abstürzen nur mit Leidensfähigkeit benutzbar. Vielleicht lag es an meinem Rechner, das kann ich nicht sagen. Lassen wir den Punkt mal offen.

Die Unflexibilität bei der Seitenanzahl ist wirklich störend. Wer am Ende eine Seite noch hinzufügen muss und dann auf einmal 11 weitere Seiten im Buch hat, der hat erstmal ein Problem. Zumal mir dann die Abstürze der Software richtig Probleme bereiteten.

Die Qualität des Buches finde ich persönlich nicht wirklich gut. Meiner Frau hat das Buch hingegen gefallen. Wer keine zu hohen Ansprüche hat, der kann hier glücklich werden.

Der Support macht keinen guten Eindruck. Bei Produktionsproblemen ist man hier nicht gut aufgehoben. Dadurch das posterXXL einfach das Geld zurückzahlt, ist dem Kunden nicht geholfen. Wäre das Buch zu normalen Konditionen erstellt worden, dann wäre es akzeptabel. Allerdings hat posterXXL immer wieder Werbeaktionen. Bei diesen sollte man es sich gut überlegen.

Mein persönliches Fazit: nie wieder

1 Kommentar:

Keek hat gesagt…

Habe auch vor, bei PosterXXL meine Erfahrung zu machen, da ich ein 96er-Buch für die Verwandtschaft in 8 Ausfertigungen machen möchte. Da ist das 20-Euro-Angebot unschlagbar (160 Euro statt woanders um die 500 Euro). Werde aber wohl zunächst ein Exemplar bestellen, bevor der Rest folgt - so kann ich mich vorher von der Qualität überzeugen... Wenn ich nicht vorher wegen der Software aufgebe ;-)

Noch ein Wort zum unterbezahlten Postboten: das ist nicht unbedingt die Folge der Profitmaximierung, sondern des Verhaltens von Leuten wie dir (und mir), die nur 20 Euro (+Porto) zu zahlen bereit sind. Klar, dass da auch die Post nicht so reich von wird, dass Akademiker als Paketboten eingestellt werden ;-)